Sommerhaus

Eilig: Drohender Abriss Wohnhauses Dorfstraße 2 Krefeld Uerdingen Hohenbudberg

Krefeld, 27.Februar 2025

An Frank Meyer,
Oberbürgermeister und Kulturdezernent der Stadt Krefeld,

Dr. Andrea Pufke,
Landeskonservatorin, LVR Amt für Denkmalpflege im Rheinland,

Marcus Beyer, Baudezernent Geschäftsbereich V Stadt Krefeld,
Beatrice Kamper, Fachbereichsleiterin des Fachbereichs Stadt- und Verkehrsplanung Stadt Krefeld,
Kirsten Steffens, Verwaltung räumliche Entwicklung und Denkmalschutz Stadt Krefeld,
Julia Kollosche, Untere Denkmalbehörde der Stadt Krefeld,

Fraktionsvorsitzender FDP Joachim C. Heitmann,
Sprecher der Ratsgruppe Die Linke Basri Cakir
Fraktionsvorsitzende SPD Stella Rütten,
Fraktionsvorsitzende Die Grünen Julia Müller, Thorsten Hansen,
Fraktionsvorsitzende CDU Britta Oellers

Zur Information: an die WZ Redaktion Krefeld, Rheinisch Post Redaktion Krefeld, WDR Lokalzeit Düsseldorf

Eilig: Drohender Abriss Wohnhauses Dorfstraße 2 Krefeld Uerdingen Hohenbudberg 

Sehr geehrte Frau Dr. Pufke, verehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren!

Wir wenden uns heute in diesem offene Brief an Sie, da Abrissarbeiten am oben genannten Haus stattfinden. Es ist formell laut der öffentlich einzusehenden Denkmalliste der Stadt Krefeld nach DSchG des Landes NRW unter Schutz und gehört auch „nicht formell gesehen“ ganz unzweifelhaft zur Baukultur.

Deswegen möchten wir alle Angesprochenen eiligst, eindringlich und ganz herzlich bitten, den Abriss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, eingeschlossen Gesprächen mit dem Eigentümer, zu stoppen!

Zudem möchten wir Sie bitten, uns und der Öffentlichkeit die folgenden Fragen zu beantworten: 

  1. Ist dieses Haus in die Denkmalliste der Stadt Krefeld eingetragen?
  2. Ist dieses Haus aus der Denkmalliste gestrichen worden?
  3. Welche Gutachten sind vorhanden und wenn ja, von wem und von welchem Zeitpunkt sind diese?
  4. Hat es seitens der Verwaltung / Politik Vereinbarungen die dieses Haus betreffen gegeben und wer ist dafür verantwortlich? 
  5. Welche Unterlagen hat die Stadt / das LVRadr zur Geschichte des Hauses und warum sind sie nicht veröffentlicht? 
  6. Gibt es statische Untersuchungen durch Sachverständige, wenn ja mit welchem fachlichen Ergebnis?
  7. Welche konkreten Massnahmen zum Substanzerhalt wurden im Laufe der Jahrzehnte Leerstand getätigt und sind diese bzw. die Substanz seitens der Behörden in welchem Rhythmus überprüft worden? 
Denkmalliste https://www.krefeld.de/C1257CBD001F275F/files/denkmalliste.pdf/$file/denkmalliste.pdf?OpenElement



Recherchen: 
Ter Meer Farbenfabrik:
https://www.industriekultur-krefeld.org/

Verein für Heimatkunde;
https://heimat-krefeld.de/
Die Heimat, Jahrbuch Nr. 19, 1940 und 20, 1941

Ergebnisse:

1) Das Haus wurde ca. 1871 nach Bericht als „Sommerhaus“ für wohlhabende Krefelder Familien neben der Gastwirtschaft „Schmitz-Neppes“ (nicht mehr vorhanden) erbaut und liegt im Dorfteil „Neppes“ in der damaligen Gemeinde (Kaldenhausen-) Hohenbudberg, nahe des Zentrums, das die älteste Krefelder Kirche darstellt, die im „Budberge“ erstmals 1150 erwähnte St. Matthias. 


2) Die Gastwirtschaft Schmitz in Neppes war als Wasser-Diligence (Post) Station bekannt, Pferde zogen die Postschiffe von Kleve Flussauf, nachts wurde in der Gastwirtschaft übernachtet, die Postroute führte weiter Richtung Köln. 

3) Bauherrn und Eigentümer des Sommerhauses waren Christian Schmitz, der Schank- und Ackerwirt in Neppes, ein Nachfahre von Pfarrern der benachbarten Kirche, und seine Ehefrau Adelheid geb. Münker, eine Tochter einer bekannten Kaufmannsfamilie aus Uerdingen. 

4) Das Sommerhaus entstand aus den vielfachen Besuchen einiger „bekannter“ Krefelder Familien am Rhein in der Gastwirtschaft, darunter die Molenaar, Beckerath, Scheibler, ter Meer, Tillmanns, für deren bessere Übernachtungsmöglichkeiten. Das prächtig in gebrannten Steinen ausgeführte Sommerhaus war durch einen Weg zum Rhein von der eigentlichen Gaststätte getrennt, hatte ein eigenes Grundstück, Richtung Wasser, und ist in den Deich eingebaut. 

5) Die Gründung der benachbarten zuerst sehr kleinen Anilin Farbenfabrik (der Ursprung des „Chempark Uerdingen“) erfolgte 1878 durch den ehem. Chemiestudenten und bei der BASF in Ludwigshafen ausgebildeten jungen Sohn der Krefelder Seidenweberfamilie, Edmund ter Meer. 

Er kannte – nach eigenem Bekunden – eine Stelle zwischen Uerdingen und Hohenbudberg aus Sommerurlauben. Seine eigene Fabrik wurde an dieser Stelle, nicht am Füttingsweg neben der Anilin Farbenfabrik seines Onkels Heinrich Tilmanns in Krefeld, allerdings mehr aus sehr pragmatischen Gründen des Wasser- und Eisenbahnzugangs dort erbaut, nicht wegen der landschaftlichen Schönheit in Hohenbudberg. Das Tillmanns Farbenwerk wurde allerdings in späteren Jahren als „Küchler & Buff“ von der ter Meerschen Fabrik übernommen und zog damit auch an den Rhein, aus der Stadt weg. 

6) Das Werk in Uerdingen-Hohenbudberg dehnte sich lange nach dem Tod Edmund ter Meers erheblich weiter aus. Allerdings erst in der Nachkriegszeit, nach der Zerschlagung des zwischenzeitlichen Eigentümerverbundes I.G. Farben AG zur Niederrhein Gruppe (Leverkusen, Dormagen, Uerdingen), als diese Werksgruppe als die Bayer AG weitergeführt wurde. 

7) Dabei wuchs das Werk nicht nur zur „Nordseite“ immer weiter Richtung Kaldenhausen, sondern auch in das dicht besiedelte dörfliche Hohenbudberg. Seit den 1960ern verkauften immer mehr der Einwohner ihre Grundstücke und die Häuser an die Bayer AG, ähnlich zu den Vorgängen im Rheinischen Braunkohle-Revier. 

8) Das „Sommerhaus“ ist, neben der einsamen Kirche gelegen, das letzte verbliebe historische Wohnhaus im gesamten Ortsteil. 

https://www.wz.de/nrw/krefeld/stadtteile/uerdingen/zeitreise-nach-hohenbudberg_aid-29512499

https://www.wz.de/nrw/krefeld/stadtteile/hohenbudberg-ein-verschwundenes-dorf_aid-29783169